

Contributions
This article gives
an outline of what the Freezone consists of and may be of some help in orienting
oneself in this broad field it is only available in German at this
time:
Caspar
de Rijk bat mich, im Vorfeld der Convention für die Besucher eine
Zusammenfassung über die Freie Zone und deren verschiedene Strömungen zu
erstellen. Da ich im religionswissenschaftlichen Bereich arbeite, freut es mich,
hier einen Überblick über die Vielfalt der Bewegungen und Richtungen zu geben,
die aus der Scientology Kirche entstanden sind.
Freie
Zone und Neo Hubbardismus
Die
Jahre vor der grossen Spaltung (1950 - 1983)
Scientology:
Es gibt wohl kaum jemanden in der westlichen Welt, der dieses Wort nicht schon
gehört hat. Weitgehend unbekannt ist jedoch die Tatsache, dass ausserhalb der
Scientology Kirche ein immenses Tummelfeld an Personen, Gruppen und
Organisationen existiert, die Scientology oder Teile davon in eigener Regie
anwenden. Manche dieser Gruppierungen halten an der unveränderten, wahren
Scientology fest, andere haben diese weiter entwickelt oder Teile davon in ihre
eigene Lehre integriert.
Schon
vor dem Managementwechsel innerhalb der Scientology Kirche (1981) und der
Gründung des Religious Technologie Centers RTC's (1982), die schlussendlich der
Ausschlag zur Gründung der Freien Zone gewesen sind, gab es Personen und
Gruppen, die Dianetics und Scientology unabhängig von Hubbard
praktizierten.
Bereits
Ende 1950, die Dianetics war weniger als ein Jahr alt, trennte sich eine Gruppe
von Dianetikern von Hubbard und der Dianetics Foundation. Die C.A.D.A
(California Association of Dianetics Auditors) wurde ins Leben gerufen (diese
existiert auch heute noch). Um 1954 gründete Art Coulter Synergetics, der sich
auch Don Purcell, ehemaliger Präsident der Dianetics Foundation anschloss.
Erwähnenswert sind auch Alphia und Agnes Hart, welche 1954 die Zeitschrift ''The
Aberree'' ins Leben riefen, in der über die Scientology ''Szene'' ausserhalb der
Scientology Kirche berichtet wurde. Auch die Jahre darnach gab es immer
Personen, die sich von Hubbard trennten und ihre eigene Philosophie
entwickelten, jedoch Grundannahmen oder gewisse Teile der Scientology
übernahmen. Beispiele sind Paul Twichell, Gründer von Eckankar (1965), oder
Robert Moore und Mary Anne MacLean, die um die selbe
Zeit die Church of the Final Judgment (The Process) ins Leben riefen. 1969
machte Jack Horner, langjähriger Mitarbeiter von Hubbard, von sich reden, als er
Dianology gründete, ab 1971 Eductivism, später in Church of Eductivism
unbenannt. Ein bekannterer ''Ex-Scientologe'' ist Werner Erhard (Jack
Rosenberg), der 1971 mit ''est'' und dem ''Forum'' zu einem der bedeutensten
Vertreter des Human Potential Movement wurde. Im deutschsprachigen Raum wäre
noch Helmut J. Ament zu nennen, der 1980/81 mit seinen bep-Lehrbriefen an die
Öffentlichkeit trat (später Humanpower).
Sie
alle hatten eines gemeinsam: Sie kamen in Kontakt mit der Lehre von Hubbard,
probierten sie aus und hatten Erfolg damit. Doch alle waren sie auch freie
Geister, die sich nicht in einem System einengen wollten. Und so entwickelten
sie ihre ''eigene'' Philosophie, die einen mit mehr, die anderen mit weniger
Anleihen an Scientology.
Die
Freie Zone
Die
Geburtstunde der Freien Zone, so wie wir sie heute kennen, war 1983. Zwei Jahre
zuvor übernahm eine junge Garde aufstrebender Scientologen in einer
putschartigen Aktion die Führung der Scientology Kirche. Die nachfolgenden
Monate waren durch starke Turbulenzen innerhalb der Organisation geprägt. Am 28.
Mai 1982 wurde die Church of Spiritual Technology (CST) gegründet. Drei der vier
Gründungsmitglieder waren und sind nicht Mitglied der Scientology Kirche. Diese
sind Sherman Lenske, Meade Emory (ehemaliger Mitarbeiter der amerikanischen
Steuerbehörde IRS) und Leon Misterek. Die CST ist dasjenige Organ, welches die
Kontrolle über alle Aktivitäten der Scientology Kirche besitzt, auch über das
RTC (das CST ist den allermeisten Mitgliedern der Scientology Kirche nicht
bekannt).
Mary
Sue Hubbard, die Ehefrau des Gründers der Scientology Kirche und viele anderen
hochrangige Scientologen wurden ihrer Posten enthoben. Andere leitende
Scientologen mussten sich entweder der neuen Führungsriege unterordnen, wurden
aus der Organisation hinausgeworfen oder verliessen diese aus eigenem
Wunsch.
Auch
David Mayo, nach Hubbard zweiter Mann in Scientology, verliess die Scientology
Kirche und gründete in Santa Barbara/Kalifornien das "Advanced Ability Center"
(AAC). Dieses Zentrum war die erste Abspaltung der Scientology Kirche, die nach
genau den selben Richtlinien und Techniken arbeitete
wie die Mutterorganisation, jedoch ohne den immensen Druck innerhalb dieser. Der
Begriff „Freie Zone'' wurde von Bill Robertson, einem engen Mitarbeiter von L.
Ron Hubbard geprägt. Er bezeichnete damit das Praktizieren der Scientology
unabhängig und ausserhalb der Scientology-Kirche.
David
Mayo war die erste Person, die in grossem Stil Scientology ausserhalb der
Mutterorganisation anbot. Schnell entstanden weltweit kleinere Ableger des AAC.
1984 wurde die Freie Zone zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz der Scientology
Kirche. Zu Ende des selben Jahres gründete Bill
Robertson in Frankfurt die Ron's Org, die grösste der jetzt noch tätigen
Organisationen, die Scientology ausserhalb der Scientology Kirche
anbieten.
Neo
Hubbardismus
Bis
1986 lösten sich manche Zentren der Freien Zone auf, bei anderen fand eine
Zersplitterung statt. Verschiedene Anwender der Technologie Hubbards liessen die
Dianetics und Scientology fallen oder entwickelten diese weiter. So entstanden
neue Richtungen, die wohl auf Scientology aufgebaut waren, aber auch neue Ideen
einfliessen liessen. Die ursprüngliche Freie Zone blieb jedoch der Scientology
und Hubbard treu.
Bei
den anderen, neuen Strömungen war (und ist) der gemeinsame Nenner nach wie vor
Hubbard, jedoch ebenso das Vermeiden von jeglicher Scientology Terminologie, um
so nicht in näheren Zusammenhang mit Hubbard und seiner Scientology gebracht zu
werden. Dies einerseits aus Copyright Gründen gegenüber der Scientology Kirche,
andererseits ist das Image der Scientology (Kirche) weltweit sehr schlecht, so
dass die ''neuen'' Richtungen es vermeiden möchten, mit Scientology in
Zusammenhang gebracht zu werden. Vielmals wurde die alte Methode in ein neues
Kleid verpackt. Harry Palmer z. B. nannte sein System Avatar, eine Methode
welche hauptsächlich mit dem Aufdecken von ''unbewussten'' Überzeugungen
arbeitet, jedoch deutliche Anleihen an Scientology hat.
Viele
neue Richtungen
Im
ursprünglichen Sinn bedeutet der Begriff ''Freie Zone'' ein sicherer Ort, in dem
Dianetics und Scientology in Freiheit ausgeübt werden können. Es ging also nur
um Scientology und Dianetics. Später wurde der Begriff ausgeweitet auf Gruppen,
die die Philosophie weiterentwickelt haben. So sprach man ab Mitte 80er Jahre
von einer Freien Zone im engeren und einer Freien Zone im weiteren Sinn. Die
Definition im engeren Sinn beinhaltete Gruppen die ''Standard Tech'' verwenden.
Die Definition im weiteren Sinn beinhaltete ''veränderte'' oder
weiterentwickelte Systeme oder Methoden, die gewisse Teile von Scientology
verwenden, deren Einfluss jedoch noch ersichtlich ist.
Die
diversen (neuen) Richtungen können grob in zwei Strömungen unterteilt werden.
Die eine Richtung beinhaltet Gruppen, deren Lehre oder Techniken auf Scientology
basieren, diese jedoch weiterentwickelt haben. Z. B. Avatar (Harry Palmer),
Dynamism (Enid Vien), deren ''Brücke'' in etwa jedoch derselben entspricht, wie
diejenige der Scientology, Dianasis (Irene Mumsford), Knowledgism (Allan C.
Walter) und andere mehr. Eine Besonderheit ist die Spiritual Technologie (auch
als PEAT -
Primordial Energy Activation and Transcendence bekannt) des Serben
Zivorad Mihajlovic Slavinski. Sein System beinhaltet verschiedenste Techniken,
darunter eine Methode um Sunyata zu erfahren (zentraler Begriff im Mahayana-Buddhismus
der soviel bedeutet wie Leere, Nichts oder auch Substanzlosigkeit), Entitäten
Handhabung, Creatives Prozessing uam. PEAT Ausübende sind ausser in Europa und
Russland auch in den USA zu finden.
Die
andere Richtung entledigte sich des philosophischen Aufbaus und erschuf - ähnlich der Dianetics - eine Methode die hauptsächlich der
Auflösung von Traumatas und unerwünschten Lebensumständen dient, jedoch auf
Dianetics und Scientology basiert. Dazu zählen Identiks (John H. J. Mace),
Idenics (John Galusha) Metapsychology (Frank A. Gerbode), Mindwalking (Ulrich
Kramer), und viele weitere Methoden, die sich mehr oder weniger mit Traumas und
deren Auflösung beschäftigen. Auf ihren Homepages (beide Strömungen) findet man
in der Regel keinerlei Hinweise auf Scientology, Dianetics oder Hubbard (eine
Ausnahme wäre Idenics, auf deren Homepage in der Lebensgeschichte von John
Galusha L. Ron Hubbard erwähnt wird). So fragt es sich, ob diese Gruppen
überhaupt noch zur Freien Zone gezählt werden können.
Distanz
zu Scientology und Freier Zone
Im
Laufe der Jahre entwickelten sich jedoch viele dieser Gruppen, die man früher
zur Freien Zone im weiteren Sinn zählte, zu völlig eigenständigen Systemen. Dazu
zählen auch die ''Clearing Practitioners'', die teilweise mit einem E-Meter
arbeiten. Seit der Entstehung der Freien Zone sind rund 25 Jahre vergangen.
Viele der Praktizierenden dieser neuen Richtungen hatten nie Kontakt mit der
Freien Zone geschweige den mit der Scientology Kirche.
Diejenigen unter ihnen, die Kontakt mit der Scientology Kirche hatten, nennen
ihre Zeit in Scientology vielmals als ein Studium unter vielen, und wollen nicht
mit Scientology oder der Freien Zone in Verbindung gebracht werden. Auch Enid
Vien (Dynamism), wehrte sich, mit ''Clearing-Practitioners'' der Freien Zone in
einen Topf geworfen zu werden. Auf einer Homepage, die über verschiedene
Clearing Methoden berichtet heisst es. ''
So
können die oben genannten Richtungen nicht mehr zur Freien Zone oder zum
''Neo-Hubbardismus'' gezählt werden. Es mag sein, dass ihre Ursprünge in der
Freien Zone zu finden sind, ihre Methoden wurden jedoch derart weiterentwickelt,
dass nur noch ein Insider Gemeinsamkeiten mit Scientology erkennen kann. Und
sicherlich wären die Exponenten dieser Gruppen die letzten, welche mit
Scientology (und Freier Zone) in Zusammenhang gebracht werden möchten.
So steht auf John
Maces (Identiks) Homepage: ''The Mace Method has absolutely no connection
(Hervorhebung eines Praktizierenden der Mace Methode) whatsoever with any other
method, system, model or pracitice. It stands in its own right as a unique self
empowerment model, developed over more than half of John's 80 year lifetime. Any
claim to the contrary is made from ignorance of the
method''.
Wer
gehört also zur Freie Zone?
Die
Ron's Org gehörte dazu, hat sich inzwischen jedoch mehr oder weniger vom Namen
''Freie Zone'' distanziert und tritt heute - obwohl der Ausdruck ''Freie Zone''
auf ihren Gründer Bill Robertson zurückzuführen ist - hauptsächlich unter der
Bezeichnung ''Ron's Org'' auf (bis und mit OT III werden die selben Kurse und
Prozesse geliefert wie in der Scientology Kirche, OT IV - VII ist in der neuen
Stufe ''Excalibur'' enthalten, die darauffolgenden Stufen sind von Bill
Robertson, basierend auf den Schriften von Hubbard entwickelt worden). Die Rons
Org ist mit rund 2000 Mitgliedern die grösste Bewegung innerhalb der ''Freien
Zone''. Im weitesten Sinn können auch die diversen ''Abspaltungen'' der Ron's Org dazu
gezählt werden, welche die Technologie Hubbards und Robertson nach wie vor
verwenden, jedoch alle Scientology-Begriffe aus ihrem Vokabular gestrichen
haben. Diese Gruppen agieren unter Namen wie ''Beratungs-Center'',
''Life-Center'' etc.
Zur
Freien Zone können heute also all diejenigen Gruppen und Praktizierenden gezählt
werden, die dieselben Stufen anbieten wie die Scientology Kirche (d. h.
Dianetics, Grade, Clear, Pre-OT Stufen und andere Rundowns). Beispiele sind die
International Freezone Association USA, ICAUSE von Tommy Thompson, Freezone San
Francisco Center (Trish House) und andere kleine Centers und Personen rund um
den Globus, die die Scientology Brücke anbieten.
Es
mag sein, dass sich einzelne ''Clearing Practitioners'' noch irgendwie zur
Freien Zone dazugehörig fühlen, sieht man sich jedoch im Internet um, sind dies
eher Einzelfälle.
Die
meisten der ''neuen'' Richtungen sind zwischen 1986 und Beginn der 90er Jahre
entstanden. Die neuen Richtungen haben sich in der Zwischenzeit als
eigenständige Systeme etabliert. Auch im Internet ist nichts zu finden, was auf
eine neue Bewegung schliessen lässt.
Spiritologie
Eine
Ausnahme wäre Spiritologie, die Lehre des Ursprungs, unendlichen Potentials und
der vollständigen Rehabilitierung des geistigen Wesens. Spiritologie wurde 2004
ins Leben gerufen. Gründer ist der Schauspieler und Musiker Andreas Buttler.
Diese neuste Entwicklung ist innerhalb der Freien Zone und deren Umfeld kaum
bekannt. Bis Mitte 2007 praktizierten nur eine Handvoll
''Spiritologen'' aus Deutschland diese neue Methode. Im Herbst 2007 begann eine
Versuchsreihe mit Spiritologie-Prozessen, und die Methode wurde auf ihre
Wirksamkeit überprüft. Ein hochrangiger Ex-Scientologe testete die Prozesse an
16 Personen mit anscheinend sehr positiven Ergebnissen. Seither verwenden nun
auch vermehrt Personen ausserhalb Deutschlands diese neue Methode.
Spiritologie
basiert auf den beiden ersten Axiomen der Scientology. Andreas Buttler schreibt
dazu: ''Spiritologie ist eine angewandte Philosophie, die von jedem anhand
seiner eigenen Wahrnehmung überprüft, untersucht und auf Wirksamkeit getestet
werden kann. Die Spiritologie ist keine Religion im Sinne eines starren
Glaubenssystems mit moralischen Gesetzen oder Regeln, die eine bestimmte Sicht
fordern oder gar versucht zu erzwingen, vielmehr geht es dabei um das Erlangen
persönlicher geistiger Freiheit und eigenständigen Denkens des Individuums, das
sie verwendet. Genau darum ist sie eine Philosophie und keine
Religion.''
An
der Convention werden auch Personen dieser neuen Richtung anwesend sein. Man
darf gespannt sein.
Um
was geht es schlussendlich?
Was
ist schlussendlich der Sinn einer Scientology, einer Freien Zone, von Avatar,
Knowledgism, Spiritual Technologie und all den anderen Richtungen? Was ist der
gemeinsame Nenner? Glücklich zu sein? Ein angenehmes Leben zu haben? Sicherlich
auch. Aber geht es nicht um mehr?
Was
genau wird denn da gesucht mit all diesen Methoden? Vielleicht sich selbst? Ist
diese Suche im Aussen, nach der ''richtigen'' Methode, schlussendlich auch nur
eine Art von Illusion? Etwas zu entdecken was man schon ist? Und wenn ja, wozu
das Ganze?
Diese
sowie andere Fragen werden ebenfalls bei der Open Space Conference (Convention
2008) erörtert, wie auch die Zukunft der Freien Zone/Hubbardismus und des Leben
selbst.
Viel
Spass!
Claude-Alain
Humbert