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Unangenehme Empfindungen, Emotionen und Schmerzen
Prozedur zum Auflösen von unangenehmen Empfindungen
Empfehlungen und Tips für erfolgreiches mentales Training
Psychosomatische Krankheiten -- Unterstützung für den Arzt -- Alarmsignale des Körpers -- Nachteile des Alarmsystems -- Konflikt zwischen tierischem Erbe und analytischem Verstand -- Das "Missing Link" -- Systematische De-Sensibilisierung -- Geistige "Schmerzen" -- Die Schlüsselrolle des Ortes -- Schwierigkeiten -- Wenn es den Ort nicht mehr gibt...
Nicht alle Schmerzzustände des Körpers sprechen immer auf medizinische Behandlung an. Dasselbe gilt für andere unangenehme Empfindungen - wie etwa das flaue Gefühl im Magen, wenn man Angst hat -, und Emotionen sind schon gar nicht mit medizinischen Mitteln zu beherrschen, wenn man nicht die "chemische Keule" dagegen schwingen und von Medikamenten abhängig werden will.
Auch der Extremfall einer "psychosomatischen Krankheit" tritt ja nicht immer gleich ein. Schwere Gesundheitsschäden bis hin zu Krebs, die zum Teil oder ausschließlich mentale Ursachen haben (z.B. ständigen Streß), treten nicht von heute auf morgen auf. Gewöhnlich gibt es davor schon etliche Jahre lang mehr oder weniger deutliche Beschwerden.
Während dieser Zeit kann mentales Training viel Gutes tun. In den meisten Fällen gehen die Beschwerden zurück, und das massive medizinische Zustandsbild (z.B. das eigentliche Geschwür) kommt oft gar nicht zustande.
Aber auch wenn eine psychosomatische Krankheit bereits vorhanden ist, kann das mentale Training den Umgang mit den Beschwerden erleichtern. In allen bekannten Fällen, in denen Krebs ohne medizinische Erklärung geheilt oder zum Stillstand gebracht wurde, haben positive mentale Techniken eine wichtige Rolle gespielt.
Natürlich ersetzt mentales Training in keinem Fall die medizinische Behandlung! Aber da es die Selbstheilungskräfte des Körpers freisetzt und das geistige Wesen in eine positive Stimmungslage bringt, kann es oft die Heilung von Krankheiten und Operationswunden beschleunigen. Und wenn es angewendet wird, bevor der Gesundheitszustand kritisch wird, kann man sich den Weg zum Arzt manchmal überhaupt sparen.
Der Körper selbst und der unbewußt arbeitende Teil der Verstandes verfügen über ein Alarmsystem für gefährliche Situationen (wir haben es im Kapitel "Ererbte Funktionen des Verstandes" bereits erwähnt). Dieses System ist bei Tieren ein sehr erfolgreicher Schutzmechanismus und funktioniert völlig automatisch.
Wenn z.B. eine Katze sich beim Überklettern eines Zaunes am Stacheldraht verletzt, wird sie es an der selben Stelle nicht noch einmal versuchen. Sobald sie wieder in die Nähe der gefährlichen Dornen kommt, schaltet ihr Verstand eine Erinnerung des damaligen Schmerzes ein. Je näher sie kommt, desto mehr tut es weh.
Natürlich bemerkt sie schnell, daß es unangenehm ist, sich in dieser Gegend herumzutreiben. Sie dreht um und versucht es woanders - es gibt ja genug Gelegenheiten.
Für einen Menschen kann dasselbe System manchmal geradezu umgekehrte Folgen haben. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mann hat im Streit seine Beherrschung verloren und seine Frau angebrüllt. Das erzeugt Angstsymptome in ihrem Körper - ein "flaues Gefühl" im Magen, Unsicherheit, einen Zwang, plötzlich nach Luft zu schnappen.
Das alles schaltet sich wieder ein, wenn sie das nächste Mal in die Nähe ihres Mannes kommt. Vielleicht fühlt sie sich sogar zittrig oder dem Weinen nahe. Natürlich sind das keine guten Voraussetzungen dafür, ein versöhnliches Gespräch unter Partnern zu führen. Der Mann fühlt sich von ihrer sichtbaren Angst womöglich unterschwellig beschuldigt und reagiert noch stärker gereizt.
Konflikt zwischen tierischem Erbe und analytischem Verstand
Hier zeigt sich ganz deutlich der große Unterschied zwischen Tier und Mensch. Ein Tier ist auf den automatischen Alarm angewiesen, weil es eine Situation nicht mit dem Verstand analysieren kann. Für einen Menschen ist diese Automatik zu simpel - sein scharfsinnigerer Verstand zeigt ihm schnell, daß eine andere Reaktion vielleicht zu einer besseren Lösung führt.
Im gerade geschilderten Beispiel ist die richtige Reaktion sogar genau das Gegenteil von dem, was der automatische Alarm vorschlägt. Der automatische Alarm ruft "Achtung, geh weg, sonst wirst du wieder niedergebrüllt!" - während der analytische Verstand sagt: "Geh hin und sprich mit ihm; wenn ihr euch diesmal verständigt, klappt es nächstesmal sicherlich besser."
Diese widersprüchlichen "Anweisungen" können übrigens wunderschöne mentale Massen erzeugen (siehe vorhergehendes Kapitel), da der Impuls "Geh weg!" immer wieder durch einen Impuls "Geh hin!" bekämpft wird und umgekehrt. Ein ständiges Hin und Her von mentaler Energie, die sich immer mehr ansammelt und verfestigt.
Es könnte gut sein, daß der Mensch, wie er heute gebaut ist, das fehlende Glied in der Kette der Evolution darstellt, nach dem so viele Forscher suchen - das "Missing Link" zwischen den Menschenaffen und dem wirklichen Menschen. Wir haben noch die primitiven Reflexe unserer tierischen Vor-fahren, aber bereits auch die mentalen und geistigen Fähigkeiten einer höherentwickelten menschlichen Rasse, wie sie vielleicht in einigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden die Erde bevölkern wird.
Bis es soweit ist, gibt uns das mentale Training eine sehr wirksame Möglichkeit, die automatischen Schaltkreise aus grauer Vorzeit unter unsere bewußte Kontrolle zu bringen.
Systematische De-Sensibilisierung
Die Methode wird in der Medizin viel verwendet, speziell im Bereich der Bekämpfung von Allergien. Wenn Sie selbst einmal gegen eine Allergie wie z.B. Heuschnupfen (ausgelöst durch Blütenpollen) oder Katzenhaare behandelt worden sind, wissen Sie, wovon die Rede ist.
Nachdem der Arzt einmal genau festgestellt hat, wogegen der Patient allergisch ist, werden ihm absichtlich immer wieder kleine Mengen der Substanz zugeführt, meist über die Haut. Diese Dosis wird in regelmäßigen Abständen langsam gesteigert, bis der Patient in der Lage ist, normale Mengen an Blütenpollen, Katzenhaaren oder anderen Substanzen, gegen die er allergisch ist, ohne jegliche Krankheitszeichen zu tolerieren.
Für das geistige Wesen ist es natürlich nicht eine chemische Substanz, die die "Allergie" (die unangenehmen Empfindungen, Zorn, Angst, Kummer oder sogar körperliches Unbehagen bis zu starken Schmerzen) erzeugt. Es sind oft auch nicht körperliche Schmerzen, wie bei der Katze, die sich am Stacheldraht verletzt hat, als sie versucht hat, über den Zaun zu klettern.
Faktoren, die ein geistiges Wesen "schmerzen", sind z.B. Katastrophen im Leben, zurückgewiesene Liebe, Streit, Verrat, Schuldgefühle (wenn man jemandem geschadet hat oder versäumt hat, ihm in einer Notlage zu helfen), Heimlichkeiten, gebrochene Versprechen oder Handlungen, mit denen man seine Ehre verletzt hat (das können je nach Kultur ganz verschiedene Dinge sein). Natürlich sind das nur wenige Beispiele - es gibt noch etliche mehr.
Später werden die unangenehmen Gefühle dann aber nicht mehr nur durch die Sache selbst ausgelöst, sondern zusätzlich auch durch Wahrnehmungen, die ursprünglich damit in Zusammenhang gestanden sind - eine ähnliche Umgebung, die gleichen Gesichter, Stimmen, Wetter usw.
Der wirkliche Schlüssel zu diesen Gefühlen ist der exakte Ort, an dem sie zum ersten Mal ausgelöst worden sind. Wenn Sie Ihrem Trainingspartner wirklich helfen wollen, mit einer Sache fertigzuwerden, die ihn ernsthaft belastet, dann gehen Sie mit ihm dorthin, wo es passiert ist.
Bringen Sie ihn in die Straße, wo sein Haus abgebrannt ist, oder zu dem Auto, in dem er seine Freundin mit seinem besten Freund erwischt hat.
Begleiten Sie ihn in das Büro, wo er seinen Geschäftspartner betrogen hat, zu der Kreuzung, wo sein Sohn unter den Lastwagen gekommen ist, in den Garten, wo er seiner Frau gesagt hat, daß er sie verläßt, oder in das Krankenhauszimmer, in dem seine Mutter gestorben ist.
Lassen Sie ihn dort nicht allein, lassen Sie ihn Dinge berühren und halten Sie ihn dazu an, alles zu erzählen, was ihm in den Sinn kommt, bis er sich besser fühlt und seine Angst, sein Kummer oder seine Schuldgefühle verschwinden. Wenn er während des Erlebnisses in Bewegung war, hilft es enorm, ihn die Bewegungen einige Male durchspielen zu lassen - so präzise wie möglich.
Glauben Sie nicht, daß das leicht für Sie sein wird - es kann dabei ziemlich brutal zugehen. Fangen Sie etwas Derartiges nur an, wenn Sie sich wirklich zutrauen, es auch zu Ende zu bringen. Ihr Trainingspartner ist in diesem Moment vollkommen auf Sie angewiesen - bitte lassen Sie ihn nicht im Stich.
Wenn er weint, brüllt oder tobt, geben Sie nicht auf. Er ist soeben dabei, steckengebliebene Emotionen zum Fließen zu bringen. Sie helfen ihm nicht, wenn Sie ihn dabei unterbrechen oder gar weggehen. Er muß diese Emotionen vollständig erleben und frei ausdrücken dürfen.
Wenn er eine Sache fertig erzählt hat, lassen Sie sie ihn noch einmal erzählen. Achten Sie dabei darauf, wie es ihm geht. Wenn Sie den Eindruck haben, daß ihn nichts mehr bedrückt; oder wenn er kein Interesse mehr an der Sache hat; oder wenn er eine plötzliche große Einsicht erzählt - etwas, das er bis dahin nie verstehen konnte und jetzt plötzlich begreift -, wissen Sie, daß das Erlebnis sich für ihn aufgelöst hat.
Er bewahrt von jetzt an nur noch die Erinnerungen an die Fakten auf, aber die quälenden Schmerzen oder Schuldgefühle gehören der Vergangenheit an, er wird sie nicht mehr mit sich schleppen. Passen Sie nur auf, daß Sie ihn nicht vor der Sache davonlaufen lassen! Das ist ganz etwas anderes als die lockere Interesselosigkeit, die sich einstellt, wenn er damit fertiggeworden ist. Solange er davonlaufen will, ist die Sache nicht de-sensibilisiert, und sie wird ihn wieder plagen, wenn er später einmal daran erinnert wird.
Wenn es den Ort nicht mehr gibt...
Natürlich ist es nicht immer möglich, an den eigentlichen Ort des Geschehens zurückzukehren. Manchmal (sogar in der Mehrzahl der Fälle) ist eine Sache auch an mehreren verschiedenen Orten vorgekommen. Wenn der Ort in einem anderen Erdteil oder in der Vergangenheit liegt, oder wenn es weite Reisen erfordern würde, ihn zu besuchen, arbeiten Sie mit Ihrem Trainingspartner die "Prozedur zum Auflösen unangenehmer Empfindungen" durch. Diese Prozedur verwendet das Prinzip der "Systematischen De-Sensibilisierung" auf geistig-mentaler Ebene.
Sie veranlaßt das geistige Wesen dazu, die unangenehme Empfindung, Emotion oder den Schmerz so lange immer wieder zu "berühren" (in geistigem Sinn) und anschließlich absichtlich zu erzeugen (sie sich vorzustellen), bis sie keine negative Wirkung mehr hat.
Die folgende Prozedur kommt auch immer dann zum Einsatz, wenn während des mentalen Trainings eine unangenehme Empfindung auftaucht. Es kann sich dabei um körperliche Empfindungen wie Kribbeln, Jucken oder Schmerzen handeln, oder um Emotionen wie Verlegenheit, Schuldgefühl, Wut, Kummer usw.
Wenn Ihr Trainingspartner auf die Frage nach einer unangenehmen Empfindung von Müdigkeit, Benommenheit oder einem Druckgefühl spricht, fragen Sie stattdessen, ob er eine mentale Masse wahrnehmen kann, und wenn ja, verwenden Sie die "Prozedur zum Auflösen von mentalen Massen".
Lassen Sie sich von Ihrem Trainingspartner die unangenehme Empfindung möglichst genau benennen, z.B. nicht "Angst" oder "Verlegenheit", sondern "eine ängstliche Verlegenheit und Scheu".
Prozedur zum Auflösen von unangenehmen Empfindungen
von Alan C. Walter
Kommentare von Heidrun Beer
1. "Von wo könnte ein geistiges Wesen [genaue Bezeichnung der unangenehmen Empfindung] erleben?"
Wiederholen Sie diese Frage immer wieder, bis die Stimmung Ihres Trainingspartners sich hebt, oder er an Sicherheit gewonnen hat, eine Erkenntnis hat (Aha!), oder eine Fähigkeit wiedererlangt hat, einen großen Gewinn und große Mengen von freigewordener Lebensenergie.
Diese erste Frage de-sensibilisiert die "geistige Allergie", die die unangenehme Empfindung auslöst.
Mit "Von Wo?" fragen Sie nach einem Ort - einer Adresse oder einem tatsächlich vorhandenen Platz auf diesem Planeten oder in diesem Universum. Begnügen Sie sich nicht mit "Was"- oder "Wer"-Antworten wie "von einem roten Auto" oder "von meinem Vater". Ergänzen Sie eine solche Antwort mit einer Zusatzfrage wie "An welchem Ort könnte das stattfinden?"
Erlauben Sie Ihrem Trainingspartner, von seinen eigenen Erfahrungen zu erzählen, aber auch von denen anderer Menschen. Sogar körperlose Wesen, die in seiner Nähe oder mit ihm gemeinsam leben, können zu den Erfahrungen, die ihn belasten, beitragen - genauso wie sich auch Eltern von den Erlebnissen ihrer Kinder betroffen fühlen.
2. "Von wo könnte ein geistiges Wesen [genaue Bezeichnung der un-an-ge-nehmen Empfindung] erschaffen?"
Wiederholen Sie diese Frage immer wieder, bis die Stimmung Ihres Trainingspartners sich hebt, oder er an Sicherheit gewonnen hat, eine Erkenntnis hat (Aha!), oder eine Fähigkeit wiedererlangt hat, einen großen Gewinn und große Mengen von freigewordener Lebensenergie.
Diese Zeichen dafür, daß die Prozedur das gewünschte Ergebnis gebracht hat, sind gewöhnlich damit verbunden, daß auch die unangenehme Empfindung selbst nicht mehr gespürt wird.
Eine einfachere Form der zweiten Frage wäre die Anweisung "Erschaffen Sie [genaue Bezeichnung der unangenehmen Empfindung]." Damit ist natürlich nicht gemeint, daß er sich zusätzlich körperlich verletzen soll, wenn ihm ohnehin schon etwas weh tut. Mit "erschaffen" ist gemeint, daß er ein geistiges Vorstellungsbild von der Empfindung erzeugen soll.
Diese zweite Frage läßt Ihren Trainigspartner ursächlicher werden. Je besser er die Empfindung absichtlich erzeugen kann, desto weniger wird sie in Zukunft unabsichtlich durch die veralteten Alarmanlagen im Verstand eingeschaltet werden.
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This page last changed on: 22. Dez 09